Verlautbarungen

Ungewisse Zukunft

By 22/02/2017 No Comments

Brüder und Schwestern, all jene, die an unsere Herrin und Gebieterin, Myria die Silberne, glauben. Euch möchte ich teilhaben lassen an den Gedanken, die mir in den Stunden finsterster Nacht kamen. Einer Schreckensvision gleich erschüttern sie noch jetzt mein Herz von Grund auf. Eine neue Gefahr droht sich in Selbion, dem Geschenk Myrias an die Menschen, auszubreiten. Schleichender und subtiler als jeder noch so bösartige Zauber. Eine Schwäche des Charakters, die all jene zu befallen droht, auf die die frommen Bewohner dieses Landes angewiesen sind. Wenn wir als Gläubige nicht aufpassen, so erwartet uns die Vernichtung von innen heraus, gleich unseren verachtenswerten Nachbarn in Steinbeck. Es wird den Kern unseres Zusammenhalts zu Staub zerfallen lassen, auf dass die verfluchte Pestilenz leichtes Spiel mit den verbliebenen Menschen haben wird.

Ich spreche von der Macht. Der Macht, sich andere dem eigenen Willen untertan zu machen. Der Macht, die einzig den Zielen des Anwenders dient, ohne reine Ideale, wie Myria sie uns einst lehrte, frei von jedem Gewissen und frei von jeder Verpflichtung gegenüber Myria selbst. Eine neue Generation von Machthabern wächst inmitten unserer Gesellschaft heran, die nicht davor zurückschrecken, mit der ihnen anvertrauten Gewalt oder fragwürdigen Überzeugungsmethoden ihren Einfluss zu mehren, allein um des Ein- und Überflusses willens. Sie verdrängen die frühen Jahre unserer Unabhängigkeit und die Opfer, die wir alle brachten, um Selbion eine Chance auf das pure Überleben zu schenken. Sie leben in einer Welt, nur umgeben von ihrem eigenen Überfluss und ihrer eigenen Prunksucht. Der Glaube an Myria ist ihnen nur eines von vielen Ärgernissen, um ihren Einfluss zu erhalten.

Doch wisset, Brüder und Schwestern, Gewalt darf nur im Namen Myrias ausgeübt werden! Der Willen Myrias schenkte uns das Leben und der Wille Myrias wird es uns nehmen! Diese Welt kennt keine menschliche Macht, denn wir sind nur fehlbare, kleine Geschöpfe in dieser wunderbaren Schöpfung und allein die silberne Herrin verfügt in ihrer Größe und Weisheit über die Kraft, wahrhaftig Macht auf alle Lebewesen auszuüben. Persönliche Macht ist eine Illusion, eine der vielen Versuchungen, die die Feinde dieser Welt für die frommen Gläubigen bereithalten, auf dass sie straucheln und ihnen anheimfallen. Diejenigen, welche Myria treu in Demut ergeben sind, denen schenkt allein sie das Werkzeug, ihren heiligen Willen auf dieser Erde durchzusetzen. Dies ist eine heilige Verpflichtung, bei der wir jede unserer persönlichen Ambitionen aufgeben und allein die Vollstrecker von Myrias Willen sind.

Doch es scheint, dass der geschickte Einsatz von Einfluss und Gewalt, politisches Taktieren und eine dehnbare Moral die bestimmenden Eigenschaften für die Erlangung verantwortungsvoller Positionen sind. Demut und Gottesfürchtigkeit drohen zu verschwinden, sollten wir nicht jetzt mit all unserer Frömmigkeit dagegenhalten. Nicht länger sollten die Ausübung von Gewalt getrennt vom Willen Myria erfolgen. Nicht länger sollen weltliche Errungenschaften das Maß für die Übertragung von Verantwortung sein. Es kann die weltliche Gewalt nicht getrennt vom Glauben existieren und der Glaube nicht getrennt von der weltlichen Gewalt. Die Gebote Myrias sollen die Grundlage des gesprochenen Rechts und unserer Art zu leben sein. Sollten wir das nicht als Maxime all unseres Handelns betrachten, so wird das Heilige Licht in dieser Welt erlöschen und die Dunkelheit wird uns schleichend und qualvoll verzehren.

Noch ist dies nicht wahr geworden, doch wer mit der Gabe der Einsicht gesegnet ist möge erkennen, dass dies eine Bedrohung ist, die bereits jetzt in den Schatten auf ihren Moment lauert. Öffnet eure Augen erneut für das Licht Myrias, der Gebieterin über das Leben und der Herrin des Todes. Der Glaube muss wieder den angestammten Platz in den Herzen aller Menschen einnehmen, seien es Zeiten größter Verzweiflung oder des Wohlstands und des Friedens. Nicht länger sollen die wahrhaftig Gläubigen still den Egoisten gegenübertreten. Bar jeden militärischen Ranges, allein als ergebener Diener Myrias fordere ich alle Gläubigen dazu auf, es dem Orden und seinen Anhängern an Demut und Wehrhaftigkeit gleichzutun. Denn entschlossen und wehrhaft ist der Glaube Myrias, auf dass uns am Ende dieses Weges das Heilige Feuer und der Dank Myrias erwartet. So sprach ich, Brinjolf Lohenschwur, Seneschall der Faust Myrias, und zeigte euch meine Vision der Zukunft die uns erwarten kann. Möge Myria, unsere einzig wahre Herrin, im Leben wie im Tode über uns wachen und den rechten Weg weisen. So danken wir dir, Herrin, jeden Tag aufs Neue in unseren Taten und Gebeten.

Brinjolf Lohenschwur

Seneschall der Faust Myrias und Rechte Hand des Hohen Herren Ser Fritjof Lupus vom Auge Myrias       

 

Diese Verlautbarung wurde im Frühling des 11. Jahres der Angst in zahlreichen Wirtshäusern und an Klostertoren gefunden und auf Bitte der Faust Myrias in die Sammlung der Bogenfurther Bibliothek kopiert.

Wulfric

Author Wulfric

Wulfric von Gabelbach ist Skriptor der Bibliothek zu Bogenfurth und verantwortlich dafür, die unzähligen Schriftrollen, Folianten und Lexika zu katalogisieren. Wie sein Namensvetter auf dem Thron ist auch der Schreiberling unersetzlich für die Grafschaft Selbion.

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