Zeremoniell und Etikette haben in der Grafschaft eine große Rolle. Obwohl ein großer Teil des höfischen Ritus aus Steinbeck reformiert wurde und nur überarbeitet in den Burgen und Schlössern des Adels Anwendung findet, so blieben viele Traditionen erhalten, die mit kleinen Details das selbiatische Leben regeln. Dabei gilt es zu beachten, dass nicht nur Hofzeremonielle bestehen, sondern sich daraus abgeleitet auch zahlreiche Protokolle für Armee und Klerus entwickelt haben. Im Grunde hat ein Zeremoniell aber immer dreierlei Zweck: Zum einen reguliert es Hierarchien in einer Gruppe und fixiert interne Kompetenzen und Ansprüche. Zum anderen regelt es die Verkehrsformen zwischen zwei Gruppen und normiert die Etikette bei der Begegnung. Zuletzt hat ein Zeremoniell aber auch immer eine Symbolwirkung und präsentiert etwa Macht, Frömmigkeit oder auch Stärke gegenüber denen, die es beobachten oder an ihm teilhaben.

Das Spagat zwischen der steinbeckschen Prunk- und Geltungssucht und der demütigen, distanzierten Reformetikette am Hof ist nicht die einzige Messlatte, auf der sich Zeremonielle unterscheiden. Durch unterschiedliche geographische Lage und Geschichte haben sich in den einzelnen Baronien Zeremonielle entwickelt, die jeweils eigene Akzente gemäß ihrer Charakteristika setzen und sich teils stark von anderen abgrenzen. Trotz der vergleichsweisen räumlichen Nähe wird ein Kaufmann aus Elenath ein Bankett anders ausrichten als einer aus Nightfall und vermutlich bei anderen Verstößen gegen das Protokoll brüskiert werden als ein Kaufmann aus dem Südwald. Gleichsam ist es für einen weithin bekannten Sänger eine große Ehre, in einem Lager der Armee mit einem Festessen begrüßt zu werden. Doch wenn ein paar Tage später der Bannerritter eintrifft und mit demselben Aufwand willkommen geheißen wird, kommt das in den Augen des Adels manchmal dem Hochverrat gleich. Um die einzelnen Ansprüche und Erwartungen verschiedener Zeremonielle schriftlich festzuhalten, gibt es zahlreiche Sammelbände mit Beispielen aus der gesamten Grafschaft. Doch ein pflichtbewusster Maester wird vor der Ausrichtung eines zeremoniell wichtigen Festes stets auch die Hintergründe und Eigenheiten der Gäste, des Festplatzes und des Gastgebers studieren müssen, um den reibungslosen Ablauf und Erfolg garantieren zu können.