Die Bogenfurther Universität liegt in der Oberstadt der selbiatischen Hauptstadt nahe des Achtdrachentempels und der Heeresakademie und ist die größte Bildungseinrichtung der Grafschaft. Rund ein Jahrhundert vor Myrias Fall erteilten die steinbeckschen Herrscher mit einer Bulle das Privileg, am Fuße des Burgberges eine Universität gründen zu dürfen, was wenig später durch den Stiftungsbrief von Graf Beltar dem Frommen in die Tat umgesetzt wurde. Heute besteht die Universität aus einem zentralen Hauptgebäude, und die zahlreichen Institute sind in Anbauten oder in anderen Vierteln untergebracht.

Das Curriculum für Studenten besteht in Bogenfurth seit jeher aus dem Trivium mit selbiatischer Grammatik, Rhetorik und Dialektik sowie dem Quadrivium aus Musik, Arithmetik, Geometrie und Astronomie. So soll der Geist für die wissenschaftliche Arbeit erzogen werden, und die Unterrichtsstunden in diesen sieben freien Künsten sind ungleich umfassender als in den Klosterschulen auf dem Lande. Bedenkt man das Klientel der Universität, nämlich junge Leute aus gutem Hause, Patrizier und Adelige, die sich die immensen Kosten einer Ausbildung leisten können, spiegelt dieses Curriculum auch das wieder, was man von einem Mann oder Frau von Stand und gutem Ruf erwarten kann. Erst wenn ein Student diese Lehrinhalte absolviert hat, kann er wählen, ob er fortan Theologie, Jura, Medizin oder die Magie studieren will oder spezialisierte Teilgebiete an den diesen Fakultäten untergeordneten Instituten.

Der Universität steht im rechtlichen Sinne wie auch jeder anderen Schule der Erzkanzler vor, doch geleitet wird sie derzeit von seiner Magnifizenz, dem Rektor Johann Adalbert von Turnau. Die Fakultäten werden von Dekanen beaufsichtigt, und in den Hörsälen und Seminarhallen lesen Professoren und Doktoren. Studenten kommen entweder in den universitätseigenen Schlafsälen unter oder wohnen eigenständig in Bogenfurth. An die Universität angeschlossen sind auch die Stadtbibliothek, die Kriegsgräfliche Menagerie und in Partnerschaft mit der Kirche die Geheimarchive. Die Fakultät für Astronomie wurde vor einiger Zeit an die Heeresakademie verkauft und zog zum Teil ins Südend um, zum Teil nutzt sie die Teleskope des Thaumaturgischen Instituts und das Fluxodrom der Hermetiker.

Lehrende der Universität tragen lange und kunstvoll verzierte Talare, während die Studenten sich mit einfacheren Roben und Tuniken zufrieden geben müssen. Gegessen wird nach einer zeremoniellen Sitzordnung in großen Speisesälen, und wird nicht gelernt oder geforscht, dann findet man Müßiggänger im kleinen Park der Universität, bei Ruderwettkämpfen auf dem Kupferstrom oder bei erbitterten Duellen mit den Konkurrenten aus der Heeresakademie.