Musik ist in der Grafschaft eine angesehene und weit verbreitete Kunstform, auch wenn nach Myrias Fall nie mehr eine derartige Virtuosität erreicht wurde wie unter der Herrschaft durch Steinbeck. Viele der besten und bekanntesten Instrumentenbauer und Musiker, die vor zehn Jahren in den Palästen und Tavernen arbeiteten, sind schnell geflohen, so dass eine Zeit lang selbst am Hof des Kriegsgrafen nur mittelmäßige Anfänger spielten. In Ermangelung zentraler Ausbildungseinrichtungen wie Musikakademien oder Schulen für die Hofkapellen lernen die meisten fahrenden Musiker und Sänger ihr Handwerk auf der Reise und durch einen erfahreneren Meister in kleinen Gruppen.

Wenn man von den fahrenden Spielleuten einmal absieht, die beinahe alles zu spielen vermögen, kann man die selbiatische Musik in höfische, kirchliche, bürgerliche und militärische Formen unterteilen, wenngleich auch die Grenzen fließend sind. Höfische Musik neigt zu größeren und aufwendigeren Stücken und Orchestern, sodass fast ausschließlich bei Festen des Hochadels Konzerte, Opern und Kammermusik gespielt wird. Der Orden Myrias hingegen schätzt einfache und mehrstimmige Choräle ob ihrer schlichten und demütigen Natur und setzt sich damit von den ausufernden Orgel- und Blasmusikunterbrechungen in der Liturgik der Heiligen Myrianischen Kirche ab. Bürgerliche Musik ist kleiner, aber auch lustiger, und Singspiele und kleine spontane Kammerstücke sind zusammen mit Minnesängern und Troubadouren gern gesehen. Militärische Musik neigt meist zu Marsch- und Trinkliedern ohne instrumentale Begleitung, setzt aber bei Feiern und im Drill gern auf Trommeln und Schlagwerk statt auf Saiten- oder Blasinstrumente, die den harten Lageralltag nicht lange überleben würden.

Nicht unerwähnt sollen auch die Einflüsse anderer Völker in Selbion bleiben. Die Musiker der Eldar etwa erfreuen auch das menschliche Ohr durch zarte Harfenklänge und vielstimmige Gesänge, wohingegen die Zwerge mit Dampfpauken, Bergorgeln und Nebelhörnern in ihren unterirdischen Hallen die Stollendecken erzittern lassen.

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